- CSC Terp Foundation e.V.
Cannabis-Toleranz: Was bei einer Konsumpause passiert
Bei regelmäßigem Konsum stehen weniger CB1-Rezeptoren zur Verfügung. Eine PET-Studie zeigt, dass sich die Dichte nach rund 4 Wochen ohne Konsum normalisiert.
Dass die gewohnte Menge mit der Zeit schwächer wirkt, ist eine der am häufigsten berichteten Veränderungen bei regelmäßigem Konsum. Dahinter steht ein messbarer Vorgang im Gehirn, der gut untersucht ist und sich zurückbildet. Dieser Beitrag beschreibt, wie Toleranz entsteht, was die Bildgebung dazu zeigt, wie lange die Erholung dauert und warum eine Pause auch etwas über das eigene Konsummuster aussagt.
Was bedeutet Toleranz?
Die Anpassung des Körpers an eine wiederholt zugeführte Substanz. Die gleiche Menge erzeugt eine schwächere Wirkung als zu Beginn, was häufig dazu führt, dass Menge oder Häufigkeit steigen.
Wichtig für das Verständnis: Regelmäßigkeit wiegt dabei schwerer als die Einzelmenge. Täglicher Konsum in kleineren Mengen führt nach der vorliegenden Literatur schneller zu stabiler Toleranz als seltener Konsum in größeren Mengen.
Toleranz ist zugleich eines der diagnostischen Kriterien für eine Abhängigkeit, für sich genommen aber kein Beweis dafür. Die übrigen Kriterien beschreibt der Beitrag zu den Anzeichen einer Cannabisabhängigkeit.
Was geschieht dabei im Gehirn?
Die CB1-Rezeptoren reagieren auf die dauerhafte Stimulation von außen mit einer Gegenregulation. Ein Teil von ihnen wird von der Zelloberfläche zurückgezogen, sodass weniger Andockstellen zur Verfügung stehen. Fachlich heißt dieser Vorgang Downregulation.
Das ist eine Schutzreaktion des Systems gegen Überreizung und keine Schädigung im engeren Sinn. Das Endocannabinoid-System reguliert unter anderem Appetit, Schlaf, Stimmung und Schmerzempfinden und hält dafür ein Gleichgewicht, das es gegen dauerhafte Einwirkung von außen verteidigt. Die Grundlagen beschreibt der Beitrag dazu, wie Cannabis im Körper wirkt.
Weil dieselben Rezeptoren auch an Gedächtnis und Aufmerksamkeit beteiligt sind, betrifft die Anpassung mehr als die empfundene Wirkstärke. Dazu gibt es den Beitrag zu Gedächtnis und Konzentration.
Was zeigt die Forschung zur Erholung?
Die maßgebliche Untersuchung stammt von Hirvonen und Kollegen, veröffentlicht 2012 in Molecular Psychiatry. Mit Positronen-Emissions-Tomografie wurde die Verfügbarkeit der CB1-Rezeptoren im lebenden Gehirn gemessen.
Bei Personen mit täglichem Konsum lag die Verfügbarkeit in der Hirnrinde um rund 20 Prozent niedriger als bei Nichtkonsumierenden. Die Abnahme betraf vor allem kortikale Regionen, während subkortikale Bereiche weitgehend unverändert blieben. Das Ausmaß hing mit der Dauer des bisherigen Konsums zusammen.
Der zweite Teil der Untersuchung betraf die Rückbildung. Nach rund 4 Wochen überwachter Abstinenz hatten sich die Werte in nahezu allen betroffenen Regionen wieder dem Niveau der Vergleichsgruppe angenähert. Die Anpassung ist damit umkehrbar, und die Geschwindigkeit unterscheidet sich zwischen den Hirnregionen.
Was verändert sich in einer Pause noch?
Mehr als die Wirkstärke. Beschrieben werden Veränderungen bei Schlaf, Appetit und Stimmung, weil dieselben Regelkreise betroffen sind. Diese Umstellung verläuft nicht durchweg angenehm.
Genau hier liegt die Überschneidung mit dem Entzug. Was in den ersten Tagen einer Pause auftritt, sind oft Entzugserscheinungen: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Unruhe und verminderter Appetit. Der zeitliche Verlauf ist im Beitrag zur Dauer eines Cannabisentzugs beschrieben, die Beschwerden im Beitrag zu den Symptomen des Entzugssyndroms.
Bei bestehenden Erkrankungen, laufender Medikation oder gleichzeitigem Konsum anderer Substanzen gehört eine Pause ärztlich besprochen, bevor sie beginnt.
Warum fällt die Wirkung nach einer Pause stärker aus?
Weil wieder mehr Rezeptoren verfügbar sind. Die gleiche Menge, die vor der Pause eine gewohnte Wirkung hatte, kann danach deutlich stärker ausfallen.
Daraus ergibt sich ein reales Risiko für unerwünscht starke Wirkungen, insbesondere bei oraler Aufnahme, wo die Wirkung verzögert einsetzt und schlechter einzuschätzen ist. Was dabei zu beachten ist und was bei einer zu stark ausgefallenen Wirkung hilft, beschreiben die Beiträge zu den Konsumformen und ihren Risiken und zu den Nebenwirkungen im Überblick.
Aus demselben Grund verbietet sich jede Orientierung an früheren Mengen. Der Verein gibt dazu keine Empfehlungen ab, weil § 6 KCanG jede Form von Konsumanreiz untersagt.
Wann sagt eine Pause etwas über das Konsummuster aus?
Wenn sie nicht gelingt. Der Vorsatz einer befristeten Pause, der wiederholt scheitert, ist eines der beschriebenen Anzeichen für einen Kontrollverlust und in den diagnostischen Kriterien ausdrücklich erfasst.
Aussagekräftig ist außerdem, was während der Pause passiert. Wenn das Thema den Alltag bestimmt, wenn Situationen ohne Konsummöglichkeit gemieden werden oder wenn die Belastung deutlich über das hinausgeht, was als vorübergehende Umstellung erklärbar wäre, ist das ein Anlass für ein Gespräch.
In Hamburg beraten die Suchtberatungsstellen kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, ohne dass eine Diagnose vorliegen muss. Die Anlaufstellen nennt der Beitrag zur Cannabis-Beratung in Hamburg. Welche Unterstützung darüber hinaus zur Verfügung steht, beschreibt der Beitrag zu den Wegen und Hilfen beim Aufhören.
Dieser Beitrag dient der sachlichen Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Er enthält keine Empfehlungen zu Mengen, Zeitpunkten oder Konsumformen. Die genannte Untersuchung beschreibt Gruppenergebnisse und erlaubt keine Aussage über einzelne Personen. Wer den Konsum verändern möchte, sollte das ärztlich abklären lassen, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, laufender Medikation oder gleichzeitigem Konsum anderer Substanzen.