- CSC Terp Foundation e.V.
Konsumformen im Vergleich: Welche Risikounterschiede zwischen Rauchen, Verdampfen und oraler Aufnahme bestehen
Rauchen belastet zusätzlich die Atemwege, Verdampfen vermeidet Verbrennungsprodukte, orale Aufnahme wirkt verzögert und länger. Jede Form bringt eigene Risiken mit sich.
Der Aufnahmeweg bestimmt maßgeblich, wie schnell eine Wirkung einsetzt, wie lange sie anhält und welche zusätzlichen Risiken hinzukommen. Diese Unterschiede sind größer, als vielen bewusst ist, und sie erklären einen erheblichen Teil der unerwünscht verlaufenden Situationen. Dieser Beitrag ordnet die Aufnahmewege nach ihren Wirkverläufen, beschreibt die jeweils spezifischen Risiken und benennt, worauf die gesetzlichen Vorgaben zur Verpackung abzielen.
Welche Aufnahmewege gibt es?
Unterschieden werden im Wesentlichen drei Wege. Bei der Inhalation gelangen die Wirkstoffe über die Lunge ins Blut, entweder durch Verbrennung oder durch Verdampfen. Bei der oralen Aufnahme werden sie über den Verdauungstrakt aufgenommen und passieren zunächst die Leber. Bei der sublingualen Aufnahme erfolgt die Aufnahme über die Mundschleimhaut.
Die Unterschiede sind erheblich. Bei Inhalation ist THC innerhalb von Sekunden im Blut nachweisbar, die Wirkung setzt nach wenigen Minuten ein. Bei oraler Aufnahme vergehen häufig 30 bis 90 Minuten. Auch der Anteil, der tatsächlich im Blut ankommt, unterscheidet sich: Die Literatur nennt für die Inhalation Werte etwa zwischen 10 und 35 Prozent, für die orale Aufnahme zwischen 4 und 20 Prozent.
Diese Spannen sind weit, weil die tatsächliche Aufnahme stark von der individuellen Anwendung abhängt. Die pharmakologischen Grundlagen beschreibt der Beitrag dazu, wie Cannabis im Körper wirkt.
Welche Risiken bringt das Rauchen mit sich?
Beim Rauchen entstehen durch die Verbrennung Stoffe, die mit dem Wirkstoff selbst nichts zu tun haben. Rauch enthält unabhängig vom verbrannten Material Reizstoffe und Schadstoffe, die Atemwege und Lunge belasten. Beschwerden wie Husten, vermehrte Schleimbildung und eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte sind bei regelmäßigem Rauchen häufig beschrieben.
Verschärft wird das durch die verbreitete Mischung mit Tabak. Dabei kommen die bekannten Risiken des Tabakrauchens hinzu, einschließlich der Abhängigkeit von Nikotin. Wer beides mischt, entwickelt damit unter Umständen zwei voneinander unabhängige Konsummuster.
Auf der anderen Seite steht ein praktischer Vorteil, der ebenfalls benannt werden sollte. Weil die Wirkung schnell einsetzt, ist sie leichter einzuschätzen als bei verzögertem Wirkeintritt. Das Risiko einer unbeabsichtigt hohen Aufnahme ist dadurch geringer.
Worin unterscheidet sich das Verdampfen?
Beim Verdampfen wird das Material erhitzt, ohne es zu verbrennen. Die typischen Verbrennungsprodukte entstehen dabei nicht oder in deutlich geringerem Umfang. Aus Sicht der Schadensminderung gilt das gegenüber dem Rauchen als der weniger belastende Weg.
Der Wirkverlauf entspricht weitgehend dem des Rauchens, weil die Aufnahme ebenfalls über die Lunge erfolgt. Wirkeintritt nach wenigen Minuten, Maximum meist nach 15 bis 30 Minuten. Die Einschätzbarkeit bleibt damit erhalten.
Ausgeräumt sind die Risiken dadurch nicht. Die psychoaktive Wirkung und ihre Folgen für Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Koordination bestehen unverändert, ebenso die Kreislaufeffekte. Zur Langzeitwirkung auf die Atemwege ist die Datenlage begrenzter als beim Rauchen. Die möglichen Nebenwirkungen fasst der Beitrag zu den Nebenwirkungen von Cannabis zusammen.
Warum ist die orale Aufnahme schwerer einzuschätzen?
Aus zwei Gründen, die zusammenwirken. Erstens setzt die Wirkung verzögert ein, häufig erst nach 30 bis 90 Minuten. Zweitens wandelt die Leber einen Teil des THC in 11-Hydroxy-THC um, einen Abbaustoff, der stärker psychoaktiv wirkt als THC selbst.
Daraus ergibt sich das typische Muster unerwünscht starker Verläufe. Weil zunächst nichts geschieht, wird nachgelegt. Die Wirkung mehrerer Portionen setzt dann gemeinsam ein und fällt zudem intensiver aus als erwartet. Diese Konstellation ist eine der häufigsten Ursachen für Situationen, die als bedrohlich erlebt werden.
Hinzu kommt die längere Wirkdauer. Sie erstreckt sich bei oraler Aufnahme häufig über sechs bis acht Stunden oder darüber hinaus, was für die Planung des Tages und insbesondere für die Frage der Fahrtüchtigkeit erheblich ist. Die Zusammenhänge beschreibt der Beitrag zur Verkehrssicherheit nach Cannabis-Konsum.
Welche besondere Gefahr besteht bei essbaren Zubereitungen?
Die Verwechselbarkeit. Essbare Zubereitungen sind optisch nicht als problematisch erkennbar und können wie gewöhnliche Lebensmittel wirken. Für Kinder und Haustiere entsteht daraus ein erhebliches Risiko, weil sie den Unterschied nicht erkennen können.
Aus diesem Grund verlangt § 22 KCanG von Anbauvereinigungen eine neutrale, kindergesicherte Verpackung mit einem Pflichtinformationszettel, auf dem unter anderem Sorte, THC- und CBD-Gehalt, Gewicht und Verfallsdatum sowie Warnhinweise stehen. Diese Verpackung sollte nicht ohne Grund gegen ein offenes Behältnis getauscht werden, und essbare Zubereitungen gehören getrennt von Lebensmitteln aufbewahrt.
Was im Notfall zu tun ist, beschreiben die Beiträge zu Sofortmaßnahmen bei Kindern und zu Cannabis und Haustieren. Die Anforderungen an die Aufbewahrung fasst der Beitrag zur Aufbewahrung zu Hause zusammen.
Was folgt daraus für die Einschätzung?
Drei Punkte. Der Aufnahmeweg entscheidet über Wirkeintritt, Wirkdauer und Einschätzbarkeit stärker als die Menge. Jede Form bringt eigene Risiken mit sich, und keine ist risikofrei. Und die Kombination aus verzögerter Wirkung und höherer Wirkstärke macht die orale Aufnahme zu dem Weg, bei dem die meisten unerwünschten Verläufe entstehen.
Unabhängig vom Aufnahmeweg gelten dieselben rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Konsumverbote nach § 5 KCanG knüpfen an den Ort an, nicht an die Form; die Mengengrenzen des § 19 KCanG gelten für die abgegebene Menge unabhängig von der späteren Verwendung.
Für Fragen zum eigenen Konsumverhalten stehen die Hamburger Beratungsstellen kostenlos und auf Wunsch anonym zur Verfügung. Allgemeine Hinweise gibt der Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis, die Anlaufstellen nennt der Beitrag zu den Beratungsstellen in Hamburg.
Dieser Beitrag dient der sachlichen Information und stellt keine medizinische Beratung oder Konsumempfehlung dar. Er enthält keine Anleitung zu Zubereitung oder Anwendung. Angaben zu Wirkeintritt, Wirkdauer und Bioverfügbarkeit sind Spannen aus der Fachliteratur und variieren individuell erheblich. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an eine ärztliche Praxis, bei akuten Notfällen an den Rettungsdienst unter 112.